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Donnerstag, 3. April 2014

Caspar David Friedrichs falsche Berge

Erkennt man in Caspar David Friedrichs bedeutenden Bildern die zu Grunde liegenden Reallandschaften, so steht immer die Frage im Raum, warum setzt der Maler Berge in den Hintergrund, wo diese nicht sein sollten und scheinbar auch keine einsehbare bildsstrukturelle Notwendigkeit einsehbar ist. Als Beispiele lassen sich die Gemälde die Gartenterrasse (Ballestedt), Neubrandenburg im Morgennebel, Gebirgige Flusslandschaft (Neubrandenburg) oder Dorflandschaft bei Morgenbeleuchtung (Breesen) anführen. Wie in vielen Aspekten seiner Malerei folgt Friedrich offenbar auch hier Christain Cay Lorenz Hirschfelds Theorie der Gartenkunst. Und dort gibt es den simplen Ratschlag, sofern möglich, eine gartenkünstlerische Komposition vor dem Hintergrund einer Anhöhe oder im Idealfall vor Bergen oder Gebirgen anzuordnen, um so eine größere Wirkung zu erzielen, was der Autor dann auch auf die Landschaftsmalerei angewendet wissen will.

Mehr dazu im Kapitel Hirschfelds Anregungen ... http://www.caspar-david-friedrich-240.de/#P-Book

Caspar David Friedrich: Neubrandenburg im Morgennebel. Um 1818, Öl auf Leinwand, 91 x 72 cm, Greifswald, Pommersches Landesmuseum

Landschaft hinter dem Breesener Pfarrhaus. Caspar David Friedrich: Dorflandschaft bei Morgenbeleuchtung. 1822, Öl auf Leinwand, 55 x 71 cm, Berlin Nationalgalerie

Caspar David Friedrich: Gebirgige Flusslandschaft (Abendansicht bei Durchlicht). Um 1830-35, Transparentmalerei doppelseitig, Mischtechnik von Aquarell und Tempera auf Papier, 76 x 130 cm, Kassel, Staatliche Kunstsammlungen

Caspar David Friedrich: Gartenterrasse. 1811/12,  Potsdam, Schloss Scharlottenhof, Schloss Charlottenhof, zeno.org

Dienstag, 25. Februar 2014

Caspar David Friedrichs Liebeserklärung

Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. kaufte auf der Akademie-Ausstellung 1812 das Gemälde Die Gartenterrasse von Caspar David Friedrich für das Berliner Königspalais. Heute ist das königliche Bild im Potsdamer Schloss Charlottenhof zu besichtigen. Das Motiv galt meist als der Fantasie des Malers entsprungen oder war auch mal dem Blick von der Terrasse des früheren Schlosses Erdmannsdorf im Erzgebirge zugeordnet. Zu verorten ist das Meisterwerk in seiner Entstehungsgeschichte jedoch in Ballenstedt im Harz. Friedrich hatte das Gemälde unmittelbar nach einem Besuch bei der Malerin Caroline Bardua in Ballestedt in Angriff genommen. Entstanden ist hier keine reale Landschaft. Der Maler hat sich als Kulissenschieber betätigt und zusammengebracht, was so nicht in eine Sichtachse fällt: die Baumallee zwischen Schloss und Neustadt, unter deren Caroline Bardua gern auf den Bänken gesessen und gelesen hat, die alte (nicht mehr existierende) Parkmauer des Schlossparkes, das Harzvorland und der Brocken. Die Bildidee muss Friedrich bereits vor Ort gekommen sein, denn eine am 25. Juni 1811 entstandene Zeichnung markiert mit einer Doppellinie den dann im Gemälde verwendeten Bildausschnitt. Die Gartenterrasse ist das erste Gemälde Friedrichs, an dem man komplexe Arbeitsweise des Malers im Umgang mit der realen Natur detailliert studieren kann und vielleicht ist es auch als eine Liebeserklärung an die von ihm verehrte Malerkollegin zu sehen ... Mehr darüber im Kapitel "Heimat, Familie, Frauenbild"  http://www.caspar-david-friedrich-240.de/#P-Book

Caspar David Friedrich: Gartenterrasse. 1811/12,  Potsdam, Schloss Scharlottenhof, Schloss Charlottenhof, zeno.org

Foto von der Allee in Ballenstedt um 1820, Autor unbekannt

Caspar David Friedrich: Harzlandschaften. 25. Juni 1811, Bleistift, 36 x 25,5 cm, Stuttgart, Staatsgalerie, Graphische Sammlung